Frischer Wind im Bundestag: Vier junge Abgeordnete im Porträt

Foto: Pixabay User sharonang | Ausschnitt bearbeitet
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Veröffentlicht am 02.04.2025

Der neue Bundestag ist durch die Wahl nicht nur kleiner geworden, sondern begrüßt auch 230 neue Abgeordnete im Parlament. Drei davon sind Daniel Kölbl (CDU), Julia Schneider (Bündnis 90/Die Grünen) und Sonja Lemke (Die Linke), die gemeinsam mit Johannes Schätzl (SPD) zu den jüngeren MdB in ihren Fraktionen gehören und am 11. April im BASECAMP zu Gast sein werden. Hier stellen wir die vier Abgeordneten und ihre Themen vor.

Der letzte Bundestag galt als der jüngste seit der Wiedervereinigung: 225 der 730 Abgeordneten waren zum Start der Legislaturperiode 2021 jünger als 40 Jahre. Nun sind es immerhin noch 175 von 630 MdB, während der Altersschnitt mit 47,1 Jahren sogar leicht gesunken ist. Gerade in der Digitalpolitik brachte die Wahl einen größeren personellen Umbruch, doch es rücken weiterhin junge Politiktalente nach, die sich sowohl mit digitalen als auch anderen Themen auskennen.

Daniel Kölbl: Wirtschaftskompetenz aus Schleswig-Holstein

Gerade erst ins Parlament gewählt und dort bald Teil einer Regierungsfraktion ist Daniel Kölbl (CDU) aus Schleswig-Holstein. Im Wahlkreis Pinneberg setzte sich der gelernte Bankkaufmann mit 31,8 Prozent der Erststimmen immerhin gegen SPD-Politprofi Ralf Stegner durch.

Seit Juni 2023 war Kölbl Bürgervorsteher der Stadt Tornesch und erster stellvertretender Landrat von Pinneberg. Beruflich hat er zunächst bei der Hamburger Sparkasse gearbeitet, parallel einen Bachelor in Business Administration und einen Master in Global Management & Governance absolviert und war seit 2020 für die IKB Deutsche Industriebank tätig.

Politisch fokussiert sich der 31-Jährige neben der Migrations- und Sicherheitspolitik vor allem auf wirtschaftliche Themen wie wettbewerbsfähige Energiepreise oder steuerliche Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Für den Bürokratierückbau möchte Kölbl Planungsverfahren beschleunigen sowie Vorschriften konsequent streichen und vereinfachen. Er betont aber auch die Notwendigkeit von Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur.

Auf Instagram (1.000 Follower) und Facebook (1.300 Freunde) gibt Kölbl per Fotos und Videos Einblicke in seine politische Arbeit und Termine, aber auch Sport spielt dort gelegentlich eine Rolle, da der junge Abgeordnete seit mehr als 15 Jahren in seiner Freizeit als Tischtennis-Trainer aktiv ist.

Julia Schneider: Berliner Verwaltungserfahrung im Parlament

Neu-MdB Julia Schneider (Bündnis 90/Die Grünen) gewann den Wahlkreis Pankow mit 25,8 Prozent der Erststimmen und wechselt nun als Parlamentarierin vom Berliner Abgeordnetenhaus in den Bundestag.

Im Landesparlament der Hauptstadt, dem sie seit November 2021 angehörte, war die gebürtige Berlinerin u.a. Sprecherin der Grünen für Personal und Verwaltung, Haushalt sowie Umweltpolitik. Dort setzte sie sich unter anderem für einen (digitalen) Neustart in der Verwaltung ein, in der sie zuvor drei Jahre lang auf allen Ebenen tätig war, etwa in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

„Niemand mag Papierkram oder Behörden-Pingpong: Deswegen stehe ich für digitales Arbeiten, klare Strukturen, Verantwortlichkeiten und gutes Personal.“ (Julia Schneider als MdA)

Die Abläufe im Bundestag kennt Schneider, die interdisziplinäre Masterabschlüsse mit den Schwerpunkten Politik und Kommunikation besitzt, bereits aus ihrer Zeit als Mitarbeiterin des grünen Abgeordneten Sven-Christian Kindler (2017-18).

In den sozialen Medien bespielt sie nicht nur Instagram (2.600 Follower), Facebook (221 Follower) und X (1.180 Follower), sondern auch YouTube. Auf diesen Plattformen zeigt sie zum Beispiel, was ihre Arbeitswoche im Parlament bereithält, Ausschnitte ihrer Reden, aktuelle Medienberichte über ihre Arbeit oder wie sehr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Politiker:innen von persönlicher Relevanz ist.

Johannes Schätzl: Digitalexperte aus Bayern

Ebenfalls über parlamentarische Erfahrung verfügt Johannes Schätzl, der für die SPD nun zum zweiten Mal in den Bundestag eingezogen ist. Bereits 2021 über die Landesliste Bayern gewählt, vertritt der 31-Jährige den Wahlkreis Passau in Berlin und war in der zurückliegenden Legislatur unter anderem Mitglied im Digitalausschuss sowie stellvertretender digitalpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Zudem hat er im parlamentarischen Beirat der Bundesnetzagentur und im Beirat Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) mitgearbeitet.

Sein digitalpolitisches Profil kommt dabei nicht von ungefähr: Vor seinem Einzug in den Bundestag hat sich der studierte Informatiker bei der ZF Friedrichshafen AG bereits beruflich mit der Digitalisierung der Produktion auseinandergesetzt. Zu seinen politischen Themen gehören auch die Landwirtschaft sowie eine moderne Infrastruktur – von der Mindestversorgung mit Internet über den Mobilfunk bis zu Energiefragen und digitalem Pflanzenschutz. Zur Digital- und Wirtschaftspolitik war Schätzl auch schon im BASECAMP zu Gast. Vor der Wahl positionierte er sich gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Jens Zimmermann deutlich für ein eigenständiges Digitalministerium:

„Ein Ja zu einem klassischen Digitalministerium ist eine Antwort auf die Frage, welche Bedeutung Digitalisierung für unsere Gesellschaft hat. Längst umfasst das Thema alle gesellschaftlichen Bereiche, von der digitalen Infrastruktur, zur Verwaltungsdigitalisierung bis zur Datenpolitik und der Plattformregulierung.“

Diese Themen sind gelegentlich auch auf Schätzls Social-Media-Accounts präsent. Auf Instagram (1.700 Follower) und Facebook (1.000 Follower) gibt es aber vor allem Bilder aus seinem Wahlkampf und lokalem Engagement zu sehen, wobei es auch mal sportlich oder privat wird. Einen X-Account (500 Follower) besitzt der passionierte Freizeit-Fußballer ebenfalls, der jedoch nicht mehr aktiv bespielt wird.

Sonja Lemke: Informatikerin für soziale Anliegen

Mit Sonja Lemke (Die Linke) hat es eine weitere Informatikerin neu ins Parlament geschafft. Über den fünften Platz auf der Landesliste Nordrhein-Westfalen wurde die 33-jährige gewählt, nachdem sie bereits bei der Bundestagswahl 2021 als Direktkandidatin in Dortmund angetreten war, es damals aber nicht schaffte.

In der Ruhr-Metropole hat sie auch Physik studiert und war dort zuletzt Kreissprecherin der Linken. Seit 2020 ist Lemke zudem Mitglied im Stadtrat und arbeitete dort in mehreren Ausschüssen mit, unter anderem im „Ausschuss für Mobilität, Infrastruktur, Grün“. Ihre politischen Schwerpunkte liegen auf den Themen Wohnen, Klimagerechtigkeit und Mobilität, hier setzt sie sich insbesondere für einen wirkungsvollen Mietendeckel und Investitionen in den Nahverkehr ein. Ihre beruflichen Erfahrungen als Informatikerin hat sie nach eigener Aussage außerdem bei der Digitalisierung auf kommunaler Ebene eingebracht.

Auf Instagram (790 Follower) und Bluesky (820 Follower) präsentiert sie bisher vor allem ihre politischen Positionen, teilt aber auch Eindrücke vom neuen Job als MdB. Auch ein Repost der bisherigen digitalpolitischen Sprecherin der Linken, Anke Domscheit-Berg, ist dabei, die in Lemke und ihrer Fraktionskollegin Donata Vogtschmidt ihre Nachfolgerinnen für eine Digitalpolitik von links sieht.

Wir sind gespannt, wie die vier hier vorgestellten Abgeordneten bei der BASECAMP FishBowl am 11. April auf ihre Rolle als junge MdB schauen und wie sie zur Digitalisierung in Deutschland stehen. Kommen Sie gern vorbei oder schalten sich digital dazu!

Event-Hinweis:

Am 11. April werden die neuen Bundestagabgeordneten zu Gast bei BASECAMP FishBowl sein, um mit Harald Geywitz (Moderation) über ihre ersten Eindrücke und Anliegen zu sprechen .

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